Lk18,1-8 C
Lk18,1-8
Liebe Schwestern und Brüder,
Ein kleiner Junge fragte einmal seine Mutter:„Warum
beten wir jeden Abend um dasselbe? Weiß Gott nicht schon, was wir brauchen?“ Die
Mutter lächelte und sagte:„Ja, aber beim Beten geht es nicht darum, Gott daran
zu erinnern – sondern uns selbst daran zu erinnern, ihm zu vertrauen.“
Heute hören wir das Gleichnis von der bittenden Witwe
und dem Richter.
Eine kurze Geschichte – und doch zeigt sie uns viel darüber, wie die Welt zur
Zeit Jesu war, und noch mehr darüber, wer Gott ist.
1. Die Welt Jesu
Zur Zeit Jesu lebte Israel unter römischer Besatzung. Es
gab Reiche mit Einfluss – und viele Arme, die ums tägliche Brot kämpften. Besonders
hart traf es die Witwen: keine Familie, kein Einkommen, keine Stimme. Obwohl das
Gesetz sagte: „Schützt die Witwen und Waisen!“ (Dtn 10,18), wurden sie
oft übersehen.
In dieser Welt erzählt Jesus von einer Witwe, die
keine Angst hat, aufzustehen und zu sagen: „Verschaff mir Recht!“
2. Mut in Schwäche
Im damaligen Israel galt es als unanständig, wenn eine
Frau einem Mann – schon gar einem Richter – widersprach. Aber diese Witwe lässt
nicht locker.
Ohne Macht, ohne Geld – aber mit einem Glauben, der nicht aufgibt.
Und Jesus lobt sie!
Er stellt sie als Vorbild hin – nicht den Priester,
nicht den Gelehrten, sondern eine einfache Frau. Das war damals eine kleine
Revolution. Jesus zeigt: Bei Gott zählt nicht, was du hast, sondern wem du
vertraust.
3. Die Botschaft
Das Gleichnis zeigt drei Dinge über Gott:
a) Gott ist kein ungerechter Richter. Der Richter in der Geschichte hilft
nur, um seine Ruhe zu haben. Aber Gott ist anders: gerecht, barmherzig,
liebevoll. Wenn schon ein harter Richter nachgibt – wie viel mehr wird Gott
hören!
b) Gebet ist Beziehung, kein Handel. Die Witwe gibt nicht auf – nicht,
um Gott zu überreden, sondern weil sie weiß: Nur er kann helfen. So lädt Jesus
uns ein: Bleibt im Gespräch mit Gott – auch wenn ihr noch nichts seht.
c) Gottes Gerechtigkeit kommt. „Sollte Gott nicht Recht schaffen
seinen Auserwählten?“ sagt Jesus. Gott handelt – vielleicht nicht sofort,
aber sicher. Seine Gerechtigkeit ist Verheißung, kein Wunschdenken.
4. Für uns heute
Auch wir
leben in einer Welt, in der oft die Lauten und Mächtigen das letzte Wort haben.
Aber das Evangelium sagt: Bei Gott ist es anders.
Er hört die Stimme der Stillen, der Schwachen, der Vergessenen.
Vielleicht
fühlen Sie sich manchmal wie diese Witwe – mit wenig Kraft, aber großem
Glauben. Dann sagt Jesus zu Ihnen: „Bleib dran. Gib nicht auf. Ich höre dich.“ Denn
Gott ist kein Richter, der Akten schiebt. Er ist ein Vater, der sein Kind kennt
–und antwortet, auch wenn es manchmal anders kommt, als wir erwarten.
Schluss
Darum: Gebt
das Beten nicht auf.Gebt das Zeugnisgeben nicht auf.
Gebt das Lieben nicht auf.
Wenn die Hände
der Kirche erhoben sind – im Gebet, im Mitgefühl, in der Einheit –dann wächst
die Mission Christi weiter.
Am Missionssonntag beten wir für unsere Missionarinnen und Missionare und
werden selbst zu Missionarinnen und Missionaren, dort, wo wir leben.
Wie die
Witwe wollen wir um Gerechtigkeit bitten, wie Mose die Arme für den Frieden
erheben, wie Paulus das Wort verkünden – ob gelegen oder ungelegen. L SB, Lasst uns
beten, nicht aus Angst, sondern aus Vertrauen.
Denn der Gott Israels – der damals die Witwen sah – sieht auch uns. Und
er wird Recht schaffen –zur rechten Zeit. Amen.
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