26Sonntag, C 28Sept.2025
26Sonntag,28Sept.2025
Liebe Schwestern und Brüder,
das heutige Evangelium stellt uns eine Geschichte vor
Augen, die scharf, klar und unbequem ist. Jesus erzählt vom reichen Mann, der
in Wohlstand lebt, und vom armen Lazarus, der krank und hungrig vor seiner Tür
liegt. Zwei Menschen, so nah beieinander – und doch Welten voneinander
getrennt.
Der Reiche sieht
Lazarus jeden Tag, und doch tut er nichts. Hier liegt der Kern der Schuld, wie
es auch William Barclay in seinem Kommentar betont: Der Reiche wird nicht
verurteilt, weil er reich ist, sondern weil er nie hingesehen hat. Er hat sich so sehr an Lazarus’ Elend
gewöhnt, dass er ihn gar nicht mehr wahrgenommen hat. Lazarus wurde für ihn
Teil der Landschaft – jemand, der einfach „dazu gehört“, ohne dass man sich
verantwortlich fühlt.
Liebe Schwestern
und Brüder, darin liegt eine tiefe Warnung: Die größte Gefahr für unser Herz
ist nicht die offene Bosheit, sondern die Gleichgültigkeit. Die Sünde des
reichen Mannes war das Nichtstun, obwohl er helfen konnte.
Und so kehrt sich
nach dem Tod alles um: Lazarus wird von Engeln getragen, der Reiche findet sich
in der Qual wieder. Gott stellt Gerechtigkeit her, wo Menschen sie verweigert
haben.
Aber das
Evangelium geht noch weiter: Der Reiche bittet Abraham, seine Brüder zu warnen.
Und Abraham antwortet: „Sie haben Mose und die Propheten; auf die sollen
sie hören.“ Barclay kommentiert: Wenn ein Mensch nicht auf das Wort Gottes
hört, dann wird er sich auch nicht bekehren, selbst wenn einer von den Toten
aufersteht.
Diese Worte
treffen uns mitten ins Herz: Wir haben nicht nur Mose und die Propheten, wir
haben Christus selbst, sein Evangelium, seine Kirche, seine Sakramente. Es ist
genug da, um den Weg der Liebe und der Barmherzigkeit zu gehen. Die Frage ist
nur: Hören wir wirklich zu?
Liebe Schwestern
und Brüder, wer ist Lazarus heute vor unserer Tür?
·
Es sind die Armen
und Obdachlosen in unseren Städten.
·
Es sind die
Flüchtlinge und Migranten, die an Europas Grenzen auf Hilfe hoffen.
·
Es sind die Alten
und Kranken in unseren Familien, die sich nach Nähe sehnen.
·
Es ist vielleicht
sogar jemand ganz nah bei uns – ein Nachbar, ein Freund, ein Gemeindemitglied –
der still leidet und auf uns wartet.
Das Evangelium
ruft uns, unser Herz nicht zu verschließen. In der katholischen Soziallehre
heißt es: Reichtum verpflichtet. Alles, was wir haben, ist Gabe Gottes – und
wir sind aufgerufen, es zu teilen, Verantwortung zu übernehmen, einander
beizustehen.
Die Eucharistie,
die wir gleich feiern, öffnet uns dafür die Augen. Im gebrochenen Brot sehen
wir Christus selbst, der sich arm macht, um uns reich zu machen – reich an
Liebe und Gnade. Und wenn wir dieses Brot empfangen, dann ist es ein Auftrag:
Wir sollen auch die Lazarusse vor unseren Türen nicht übersehen, sondern ihnen
Christus’ Liebe sichtbar machen.
Bitten wir den Herrn heute, dass er unsere Augen öffnet,
dass er uns die Gleichgültigkeit nimmt, dass er unser Herz weit macht. Damit
wir nicht an den Lazarussen unserer Zeit vorbeigehen, sondern dass durch uns
Gottes Reich schon jetzt sichtbar wird. Amen.
Comments
Post a Comment